Dienstag, 24. Februar 2026

Attila

A: Was wollen Sie hier?
B: Ich bin Attila, der Hunnenkönig!
A: Danach habe ich nicht gefragt. Was wollen Sie hier?
B.: Ich überfalle dieses Land und erobere es.
A: So, so. Und das machen Sie ganz alleine?
B: Selbstverständlich nicht.
A: Sondern?
B: Mit meinen Horden. Die stürmen herbei, überrennen den Feind, metzeln alle nieder, die sich widersetzen, sie zünden Dörfer an und Städte, sie rauben und plündern und tragen Schätze zusammen …
A: Aha. Und darf ich fragen, wo die sind, Ihre Horden?
B. Die stehen draußen und warten nur darauf, dass ich sie rufe.
A: Warum?
B: Warum was?
A: Was Sie wollen: Warum warten Ihre Horden, warum würden Sie sie rufen? Und vor allem: Was wollen Sie überhaupt hier?
B: Das sagte ich doch bereits: Ich erobere dieses Land.
A: Ja, ja. Einfallen, überrennen, niedermetzeln, rauben und so weiter. Das habe ich schon verstanden. Aber warum? Was bezwecken Sie damit?
B: Was ich … was ich damit bezwecke? Also, ich, äh …
A: Sie wissen es nicht?
B: Ich …
A: Sie überfallen dieses Land, lassen ihre Horden niedermetzeln und niederbrennen, es wird gestohlen auf Teufel komm raus, unzählige Menschen werden in die Sklaverei verschleppt, all das in Ihrem Namen und von Ihnen befohlen, Ihr grausamer Ruf eilt Ihnen voraus, man nennt Sie die Geißel Gottes ― und Sie wissen gar nicht, was das alles eigentlich soll?
B: (Schreit.) Ehre! Reichtum! Macht!
A: So, so. Sie wollen also Ehre, Reichtum und Macht. Aber warum und wozu?
B: Ich …
A; Ja?
B: Die Ehre selbstverständlich um ihrer selbst willen! Den Reichtum, nun, den Reichtum, um ein gutes Leben führen zu können. Und die Macht …, um Ehre und Reichtum sichern! Umsie gegen alle meine Feinde zu verteidigen!
A: Nun ja. Sie hätten wohl viel weniger Feinde, womöglich gar keine, wenn Sie nicht dauernd fremde Länder überfielen und ausplünderten, wenn Sie nicht so schrecklich viel massakrierten und versklavten. Aber das nur am Rande. Mich beschäftigt nämlich eher die Frage: Hatten Sie eine schwere Kindheit? Geprägt von Gewalt und Entbehrungen? Haben Sie als Kind, als Jugendlicher, als erwachsener Mann hungern müssen? Waren sie obdachlos? Konnten Sie sich das, was andere hatten, einfach nicht leisten? War das demütigend? Leiden Sie seither unter einem Minderwertigkeitskomplex? Unter Versagensängsten?
B: Ich muss doch sehr bitten!
A: Ich frage nur, um zu verstehen, warum Sie so versessen sind auf Raubzüge und Mordbrennerei.
B: Na, hören Sie mal!
A: Ach, und was Ihre Ehre betrifft: Eine schöne Ehre ist das, die auf Metzeln und Rauben, auf Unterjochen und Versklaven beruht.
B: Sie zweifeln meine Ehre an?
A: Nun, in der Tat!
B: Das lasse ich mir nicht bieten! Ich bin Attila, der Hunnenkönig, die Geißel Gottes! (Zieht sein Schwert.) Nimm das, du Hund! (Versetzt A einen Schwerthieb. A stürzt zu Boden.)
C: (Tritt auf.) Herr Attila?
B: Ja?
C: Attila der Hunnenkönig?
B: Ja.
C: Herr Attila, Ihre Gummizelle wäre jetzt fertig. Kommen Sie bitte mit, ich bringe Sie hin. Ach, und das blutige Schwert können Sie gerne hier lassen. (B und C ab.)
A: (Richtet sich noch einmal auf.) Na, das erklärt selbstverständlich alles. (Stirbt.)


Freitag, 6. Februar 2026

Kleines Welttheater (3)

A: Und, was hat das alles gebracht?
B: Was meinen Sie?
A: Na, das alles. Die Weltgeschichte.
B: Viel Elend, viel Unrecht.
A: Sehen Sie.
B: Aber es kann ja noch kommen.
A: Was meinen Sie?
B: Die Umkehr, der Umsturz. Das bessere Leben.
A: Glauben Sie daran?
B: Nein.
A: Sehen Sie.
B: Aber möglich ist es.

Der Tod Gottes

A: Gott ist tot. B: Ach du liebe Zeit, ich wusste gar nicht, dass er krank war. (Beide schweigen.) B: Oder war es ein Unfall? A: Nein. B: D...